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Asien-Orient-Institut (AOI) der Universität Tübingen

Bild: Perspektive

Bild: Perspektive

Bild: Perspektive bei Nacht

Bild: Treppennhaus alte Augenklinik

Bild: Fotomontage

Fotografien/Renderings:
karlundp, Gesellschaft von Architekten mbH, München

  

Beschreibung

Das Asien-Orient-Institut der Universität Tübingen wurde 2008 gegründet und führt die sechs bis dahin eigenständigen, zum Teil auf eine mehr als 150-jährige Geschichte zurückblickenden Fächer Ethnologie, Indologie, Japanologie, Orient- und Islamwissenschaft, Koreanistik und Sinologie zusammen. Noch sind die sechs Abteilungen auf zehn Standorte über die ganze Stadt verteilt. Sie sollen nun samt ihrer bislang eigenständigen Bibliotheken in der "Alten Augenklinik" zu einer funktionalen Einheit zusammen geführt werden.

Das im Jahr 1909 erbaute, unter Denkmalschutz stehende Bestandsgebäude beherbergt in allen Ebenen Seminarräume für größere und kleinere Gruppen, Büros der Professorinnen und Professoren, Sprachlektoren und anderen wissenschaftlichen Personals, der Verwaltung sowie Forschungsgruppenräume für Doktorandinnen und Doktoranden. Des Weiteren ist die Münzsammlung der islamischen Numismatik sowie die Lehr- und Schausammlung der Ethnologie im Gebäude untergebracht.

Im Bestandsgebäude war seit 1909 bis 2016 die Universitäts-Augenklinik Tübingen beherbergt. Während dieser Betriebszeit wurden viele Umbaumaßnahmen vorgenommen. Somit sind bauzeitliche Zustände nur noch bei den repräsentativen Bereichen wie Treppenhäuser und Foyers vorzufinden. Das Gebäude wird nun einer Generalsanierung unterzogen. In Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde wird darauf geachtet, den ursprünglichen Charakter des Gebäudes wieder annähernd herzustellen.
Aufwendige Untersuchungen am bestehenden Tragwerk brachten eine instabile Tragwerkstruktur zum Vorschein. Aufgrund der statischen Anforderungen aus der neuen Nutzung ist ein hoher Aufwand an Sanierungsmaßnahmen wie Aufbetondecken oder statische Ertüchtigung von tragendem Mauerwerk, umzusetzen.

Der Neubau dient als wissenschaftliche Bibliothek für die Lehrenden und Studierenden der Universität Tübingen und für wissenschaftlich arbeitende Gäste. Diese umfasst nicht nur Bücher und Zeitschriften in zahlreichen Schriften und Sprachen, auch digitale Ausgaben und Datenbanken werden im Rahmen der sich zunehmend verändernden Arbeitsweisen dort untergebracht und vorgehalten. Neben ruhigen Arbeitsplätzen für Lesende und Schreibende sind auch Gruppenarbeitsräume vorgesehen.
In den oberirdischen Ebenen findet man Freihandbereiche sowie Arbeits- und Leseplätze für die Studierenden. Im Sockelgeschoss befinden sich die Büros des Bibliothekspersonals, ein großer Seminarraum und ein Teil des großen Freihandbereiches. In den weiteren beiden Untergeschossen sind zusätzliche Freihandbereiche und Technikräume untergebracht.

Der Neubau entsteht an der Stelle des im Jahre 2018 abgebrochenen Anbaus.
Die aus der vorhandenen Bestandsstruktur der ehemaligen Alten Augenklinik resultierenden Flächenverteilung führt zu einer funktional sinnvollen Aufteilung in ein "Bibliotheksgebäude" und ein "Institutsgebäude".
Der Entwurf unterstreicht den "respektvollen" Dialog zwischen Altbau und Neubau. Im wesentlichen gelingt dies durch ein weitgehendes Freistellen des Altbaus, sowie eine Adaption essentieller Gebäudeparameter durch den Neubau.
Verbunden werden die beiden Baukörper durch das in beiden Bereichen vorhandene Sockelgeschoss über dem sich beim Neubau eine große umlaufende Plattform mit Südterrasse befindet die einen einzigartigen Ausblick auf die Tübinger Altstadt und das Schloss ermöglicht.

Die Fassade der "Laterne" des Neubaus besteht aus einer Pfosten-Riegel-Fassade mit transparenten und opaken Elementen und wird ganzheitlich in Glas ausgeführt.
Die Glasscheiben der opaken Elemente werden auf Süd-, West- und Ostseite mit PV-Zellen bestückt.
Der Sonnenschutz wird mittels schaltbaren Gläsern erreicht so dass auf weitere außen aufgesetzte Bauteile verzichtet werden kann.

"Kunst am Bau"
Die gesamte Terrasse über dem Sockelgeschoss soll mit händisch aufgebrachten Texten in farbloser Hydrophobierungsflüssigkeit über den "Sachverhalt von Datenträgern die in die räumliche Breite bzw. in die zeitliche Tiefe gehen" informieren.
Die verwendeten Texte sind dauerhaft in den Betonplatten "gespeichert", treten jedoch als Informationen nur bei Regen sehr flüchtig und kurzlebig visuell zu Tage, um sich bei Schönwetter wie von Geisterhand in Nichts aufzulösen. Diese Eigenschaften beschreiben auf künstlerischer Ebene exakt die Aufgabe einer zeitgemäßen Bibliothek: Informationen dauerhaft zu speichern und sie gleichzeitig für die Gesellschaft sichtbar und erfahrbar zu machen.


Projektdaten 

Bauherr und Projektsteuerung
Land Baden­ Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden ­Württemberg, Amt Tübingen

Planung
karlundp, Gesellschaft von Architekten mbH, München

Tragwerksplanung
Krebs + Kiefer Ingenieure GmbH, Karlsruhe

Freianlagen
Specht Landschaftsarchitektur, Tübingen

HLSK
Paul + Gampe + Partner GmbH, Esslingen

Elektro
Müller und Bleher, Filderstadt

Brandschutz
IFB Ingenieure GmbH, Bad Teinach-Zavelstein

Bauphysik
ebök Planung und Entwicklung GmbH, Tübingen
TRANSSOLAR Energietechnik GmbH, München

Vermessung
IB Helle, Tübingen

Bodenmechanik:
Henke & Partner GmbH, Stuttgart

Techn. Monitoring:
Planungsgruppe M+M AG, Böblingen

Schadstoffuntersuchung:
Müller BBM GmbH, Reutlingen

Ökologische Baubegleitung:
Menz Umweltplanung, Tübingen

Bestandsdokumentation:
Sabine Haarseim, Diplomrestauratorin, Mehrstetten

Radaruntersuchungen:
Ingenieurbüro IGP, Gabriele Patitz, Karlsruhe


Nutzfläche
ca. 5.300 qm

Gesamtbaukosten
ca. 33,8 Mio. Euro

Bauzeit
2019 bis 2022





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